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Posts mit dem Label "Grundschule" werden angezeigt.

Abschied nehmen – und wieder von vorn beginnen

Gestern habe ich meine erste Grundschulklasse verabschiedet. Vier Jahre lang haben wir gemeinsam gelernt, gerechnet, geschrieben, gebaut, gelacht, diskutiert und manchmal auch miteinander gerungen. Aus kleinen Schulanfängern sind selbstständige Kinder geworden, die nun ihren Weg an den weiterführenden Schulen fortsetzen. Die Abschlussfeier war ein besonderer Moment. Es wurde gelacht, erinnert und gefeiert. Tränen flossen keine. Vielleicht, weil wir alle gespürt haben, dass ein Abschied nicht nur ein Ende, sondern immer auch ein Anfang ist. Als ich am Abend nach Hause fuhr, wurde mir bewusst, wie sehr sich mein eigenes Berufsleben verändert hat. Fast dreißig Jahre war ich als Rechtsanwalt tätig. Ich habe Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet, Interessen vertreten und Konflikte gelöst. Es war ein verantwortungsvoller Beruf, den ich nie gering schätzen werde. Doch eines habe ich dort nie erlebt: den Augenblick, in dem man einen Menschen über Jahre wachsen sieht und ihn schl...

Wenn Geld krank wird - eine Geschichte zum Nachdenken

Stell dir vor, Geld ist wie Wasser. Es soll durch die Stadt fließen.  Zu den Bäckern , zu den Handwerkern, Geschäften, zu den Familien, zu den Schulen. Dann können alle gut leben.  Aber was passiert, wenn etwas schiefgeht? Zu viel Wasser an der falschen Stelle Manchmal wird sehr viel neues Geld gemacht. Das passiert, wenn Banken an die Regierung viele Kredite vergeben. Eigentlich ist das nicht schlimm. Wichtig ist: Wofür wird das Geld benutzt? Wenn viel Geld nicht für Brot, Häuser, Schulen oder Reparaturen da ist, sondern für Dinge, die im Alltag nicht helfen, dann steigen oft die Preise. Das nennt man Inflation . Alles wird teurer, obwohl man nicht mehr bekommt. Und dann fehlt das Geld plötzlich in der Stadt. Gleichzeitig kann es passieren, dass Geld aus der Stadt verschwindet. Es fließt in andere Länder oder an Regierungen im Ausland weg – und kommt nicht zurück. Dann merken die Menschen:  Sie können weniger kaufen.  Sie sparen aus Angst.  Kleine Läden habe...

Freies Denken, freies Sprechen, freies Schreiben

Der Reformationstag erinnert uns daran, dass Erneuerung nicht von Instutionen ausgeht, sondern vom Gewissen und Handeln des Einzelnen. Als Luther seine Thesen an die Kirchentür schlug, tat er es nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Er folgte dem, was stärker war als Furcht: dem eigenen Denken. Dieser Geist der Selbstprüfung, des Mutes und der inneren Freiheit ist zeitlos – und er fehlt uns heute mehr denn je. Freiheit ist kein Geschenk. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – für sich, füreinander, für das, was sie denken, sagen und schreiben. So beginnt jede demokratische Republik: nicht im Parlament, sondern in den Köpfen und Herzen der Bürger. Freiheit ist kein Zustand, sie ist eine tägliche Übung – und Bildung ist ihr Werkzeug. Freies Denken Drei Jahrzehnte lang habe ich als Rechtsanwalt gearbeitet. Ich glaubte an das Recht, an Ordnung, an die Idee, dass Paragraphen die Welt gerechter machen können. Doch mit den Jahren erkannte ich: Recht schafft keine Gere...

Die Rose im Messzylinder

Die Rose im Messzylinder – ein Bild, das ich mit meiner Klasse im 3. Schuljahr entwickelt habe – ist für mich mehr als nur ein Symbol. Sie knüpft an Joseph Beuys’ „Rose für die direkte Demokratie“ an und ist zugleich Kommentar, Kritik und Ermutigung. Auch Beuys stellte eine Rose in einen Messzylinder: ein Gefäß, das für Maß, Ordnung und Kontrolle steht. Er machte sichtbar, dass Demokratie nicht durch Bürokratie entsteht, sondern aus innerer Kraft und Gestaltung. In unserer Variante trägt nicht Wasser die Rose, sondern die Wünsche und Ziele der Kinder, zu Beginn des 4. Schuljahres auf blauem Papier geschrieben. So wird deutlich: Aufblühen geschieht dort, wo Hoffnung und Vision wirken dürfen. Ohne eine Vision verdorrt die Rose - und mit ihr die Schule. Doch gerade in der staatlichen Schule zeigt sich die Härte des Messzylinders. Alles ist vermessen, kontrolliert, standardisiert. Lehrkräfte arbeiten unter starren Lehrplänen, engen Zeitvorgaben, immer neuen Anforderungen. Klassen sind über...

Warum ich vom Rechtsanwalt zum Grundschullehrer wurde – und was das mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat

2014 wurde ich als Neuland-Gewinner der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet. Ich hatte Projekte entwickelt, die sich mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Problemen beschäftigten – vor allem mit dem Geldsystem, Fragen demokratischer Teilhabe und der Rolle zivilgesellschaftlicher Bewegung. Ich wollte Veränderung anstoßen – nicht theoretisch, sondern praktisch, konkret, erfahrbar. Zugleich arbeitete ich über 25 Jahre als Rechtsanwalt. Ich kannte die Spielregeln des Systems, konnte sie analysieren und anwenden. Ich wusste, wie Sprache Realität schafft, wie Recht schützt – aber auch, wie es an Grenzen stößt, wenn Haltung fehlt. Doch irgendwann stellte ich mir eine einfache, unbequeme Frage:  Wo beginnt eigentlich Veränderung wirklich?