Gestern habe ich meine erste Grundschulklasse verabschiedet.
Vier Jahre lang haben wir gemeinsam gelernt, gerechnet, geschrieben, gebaut, gelacht, diskutiert und manchmal auch miteinander gerungen. Aus kleinen Schulanfängern sind selbstständige Kinder geworden, die nun ihren Weg an den weiterführenden Schulen fortsetzen.
Die Abschlussfeier war ein besonderer Moment. Es wurde gelacht, erinnert und gefeiert. Tränen flossen keine. Vielleicht, weil wir alle gespürt haben, dass ein Abschied nicht nur ein Ende, sondern immer auch ein Anfang ist.
Als ich am Abend nach Hause fuhr, wurde mir bewusst, wie sehr sich mein eigenes Berufsleben verändert hat.
Fast dreißig Jahre war ich als Rechtsanwalt tätig. Ich habe Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet, Interessen vertreten und Konflikte gelöst. Es war ein verantwortungsvoller Beruf, den ich nie gering schätzen werde. Doch eines habe ich dort nie erlebt: den Augenblick, in dem man einen Menschen über Jahre wachsen sieht und ihn schließlich mit guten Wünschen in einen neuen Lebensabschnitt verabschiedet.
Als Anwalt wurden Verfahren abgeschlossen und Akten geschlossen. Als Lehrer verabschiedet man Kinder. Dieser Unterschied ist größer, als er auf den ersten Blick erscheint.
Im Unterricht erlebt man täglich kleine Fortschritte. Ein Kind liest plötzlich flüssig. Ein anderes löst zum ersten Mal eine schwierige Rechenaufgabe. Wieder ein anderes fasst den Mut, vor der ganzen Klasse zu sprechen. Viele dieser Momente wirken unscheinbar. Erst nach vier Jahren erkennt man, wie groß die Entwicklung tatsächlich gewesen ist.
Gerade deshalb empfinde ich den Beruf des Lehrers als etwas Besonderes. Man vermittelt nicht nur Wissen. Man begleitet Menschen in einer Lebensphase, in der Grundlagen für ihr weiteres Leben entstehen – fachlich, aber auch menschlich.
Nach meinem Schlaganfall hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich beruflich noch einmal einen völlig neuen Weg einschlagen würde.
Der Wechsel in die Grundschule war für mich weit mehr als ein Berufswechsel. Er war ein Neuanfang.
Ich habe erlebt, dass Lernen keine Frage des Alters ist. Während ich Kinder beim Lesen, Schreiben und Rechnen begleitet habe, haben die Kinder auch mich verändert. Sie haben mir gezeigt, mit welcher Offenheit man der Welt begegnen kann, wie schnell man sich über kleine Dinge freuen darf und wie wichtig Vertrauen für erfolgreiches Lernen ist.
In den vergangenen Jahren durfte ich nicht nur Unterricht erteilen. Gemeinsam mit den Kindern entstanden viele Projekte, die weit über den Lehrplan hinausgingen: Werkstücke aus Holz und Beton, Buchbindearbeiten, digitale Lernprojekte, Ausstellungen, die Projektidee des Schulgeldes, Unterricht zum Magdeburger Recht und viele gemeinsame Erlebnisse, die sich in keinem Zeugnis wiederfinden werden.
Vielleicht sind genau diese gemeinsamen Erfahrungen das Wertvollste, was Schule hinterlassen kann.
In wenigen Wochen beginnt für mich bereits das nächste Kapitel.
Am 13. August werde ich wieder Erstklässler begrüßen. Auch sie werden eine Mäuschenklasse sein. Unser neues Klassenmaskottchen Mina Maus wird die Kinder auf ihren ersten Schritten begleiten – beobachtend, begeisterungsfähig und beharrlich. Gemeinsam werden wir Buchstaben entdecken, Zahlen verstehen, Geschichten schreiben, Werkstücke bauen und hoffentlich jeden Tag ein wenig neugieriger werden.
Manchmal werde ich gefragt, ob es nicht traurig sei, eine Klasse nach vier Jahren wieder gehen zu lassen.
Doch inzwischen glaube ich, dass gerade darin die Schönheit dieses Berufes liegt.
Lehrer dürfen Kinder ein Stück ihres Lebens begleiten. Sie dürfen sie ermutigen, herausfordern, trösten, loben und manchmal auch bremsen. Irgendwann kommt der Tag, an dem sie loslassen müssen – im Vertrauen darauf, dass aus den Kindern junge Menschen geworden sind, die ihren eigenen Weg finden werden.
Für mich beginnt dann wieder alles von vorn.
Neue Namen. Neue Gesichter. Neue Fragen. Neue Geschichten.
Und genau darauf freue ich mich. Denn ich habe gelernt, dass jeder Abschied zugleich die Einladung ist, noch einmal neu anzufangen.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meinem eigenen Lebensweg mitgenommen habe: Es ist nie zu spät, einen neuen Weg einzuschlagen. Manchmal führt gerade ein unerwarteter Umbruch dorthin, wo man seine eigentliche Aufgabe findet.
Ich wünsche meiner ehemaligen Klasse von Herzen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg.
Und ich freue mich schon heute darauf, bald wieder viele kleine Hände zu schütteln und gemeinsam mit einer neuen Mäuschenklasse die ersten Seiten eines neuen Kapitels aufzuschlagen.
Vier Jahre lang haben wir gemeinsam gelernt, gerechnet, geschrieben, gebaut, gelacht, diskutiert und manchmal auch miteinander gerungen. Aus kleinen Schulanfängern sind selbstständige Kinder geworden, die nun ihren Weg an den weiterführenden Schulen fortsetzen.
Die Abschlussfeier war ein besonderer Moment. Es wurde gelacht, erinnert und gefeiert. Tränen flossen keine. Vielleicht, weil wir alle gespürt haben, dass ein Abschied nicht nur ein Ende, sondern immer auch ein Anfang ist.
Als ich am Abend nach Hause fuhr, wurde mir bewusst, wie sehr sich mein eigenes Berufsleben verändert hat.
Fast dreißig Jahre war ich als Rechtsanwalt tätig. Ich habe Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet, Interessen vertreten und Konflikte gelöst. Es war ein verantwortungsvoller Beruf, den ich nie gering schätzen werde. Doch eines habe ich dort nie erlebt: den Augenblick, in dem man einen Menschen über Jahre wachsen sieht und ihn schließlich mit guten Wünschen in einen neuen Lebensabschnitt verabschiedet.
Als Anwalt wurden Verfahren abgeschlossen und Akten geschlossen. Als Lehrer verabschiedet man Kinder. Dieser Unterschied ist größer, als er auf den ersten Blick erscheint.
Im Unterricht erlebt man täglich kleine Fortschritte. Ein Kind liest plötzlich flüssig. Ein anderes löst zum ersten Mal eine schwierige Rechenaufgabe. Wieder ein anderes fasst den Mut, vor der ganzen Klasse zu sprechen. Viele dieser Momente wirken unscheinbar. Erst nach vier Jahren erkennt man, wie groß die Entwicklung tatsächlich gewesen ist.
Gerade deshalb empfinde ich den Beruf des Lehrers als etwas Besonderes. Man vermittelt nicht nur Wissen. Man begleitet Menschen in einer Lebensphase, in der Grundlagen für ihr weiteres Leben entstehen – fachlich, aber auch menschlich.
Nach meinem Schlaganfall hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich beruflich noch einmal einen völlig neuen Weg einschlagen würde.
Der Wechsel in die Grundschule war für mich weit mehr als ein Berufswechsel. Er war ein Neuanfang.
Ich habe erlebt, dass Lernen keine Frage des Alters ist. Während ich Kinder beim Lesen, Schreiben und Rechnen begleitet habe, haben die Kinder auch mich verändert. Sie haben mir gezeigt, mit welcher Offenheit man der Welt begegnen kann, wie schnell man sich über kleine Dinge freuen darf und wie wichtig Vertrauen für erfolgreiches Lernen ist.
In den vergangenen Jahren durfte ich nicht nur Unterricht erteilen. Gemeinsam mit den Kindern entstanden viele Projekte, die weit über den Lehrplan hinausgingen: Werkstücke aus Holz und Beton, Buchbindearbeiten, digitale Lernprojekte, Ausstellungen, die Projektidee des Schulgeldes, Unterricht zum Magdeburger Recht und viele gemeinsame Erlebnisse, die sich in keinem Zeugnis wiederfinden werden.
Vielleicht sind genau diese gemeinsamen Erfahrungen das Wertvollste, was Schule hinterlassen kann.
In wenigen Wochen beginnt für mich bereits das nächste Kapitel.
Am 13. August werde ich wieder Erstklässler begrüßen. Auch sie werden eine Mäuschenklasse sein. Unser neues Klassenmaskottchen Mina Maus wird die Kinder auf ihren ersten Schritten begleiten – beobachtend, begeisterungsfähig und beharrlich. Gemeinsam werden wir Buchstaben entdecken, Zahlen verstehen, Geschichten schreiben, Werkstücke bauen und hoffentlich jeden Tag ein wenig neugieriger werden.
Manchmal werde ich gefragt, ob es nicht traurig sei, eine Klasse nach vier Jahren wieder gehen zu lassen.
Doch inzwischen glaube ich, dass gerade darin die Schönheit dieses Berufes liegt.
Lehrer dürfen Kinder ein Stück ihres Lebens begleiten. Sie dürfen sie ermutigen, herausfordern, trösten, loben und manchmal auch bremsen. Irgendwann kommt der Tag, an dem sie loslassen müssen – im Vertrauen darauf, dass aus den Kindern junge Menschen geworden sind, die ihren eigenen Weg finden werden.
Für mich beginnt dann wieder alles von vorn.
Neue Namen. Neue Gesichter. Neue Fragen. Neue Geschichten.
Und genau darauf freue ich mich. Denn ich habe gelernt, dass jeder Abschied zugleich die Einladung ist, noch einmal neu anzufangen.
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meinem eigenen Lebensweg mitgenommen habe: Es ist nie zu spät, einen neuen Weg einzuschlagen. Manchmal führt gerade ein unerwarteter Umbruch dorthin, wo man seine eigentliche Aufgabe findet.
Ich wünsche meiner ehemaligen Klasse von Herzen alles Gute für ihren weiteren Lebensweg.
Und ich freue mich schon heute darauf, bald wieder viele kleine Hände zu schütteln und gemeinsam mit einer neuen Mäuschenklasse die ersten Seiten eines neuen Kapitels aufzuschlagen.
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