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Die Rose im Messzylinder


Die Rose im Messzylinder – ein Bild, das ich mit meiner Klasse im 3. Schuljahr entwickelt habe – ist für mich mehr als nur ein Symbol.
Sie knüpft an Joseph Beuys’ „Rose für die direkte Demokratie“ an und ist zugleich Kommentar, Kritik und Ermutigung.

Auch Beuys stellte eine Rose in einen Messzylinder: ein Gefäß, das für Maß, Ordnung und Kontrolle steht. Er machte sichtbar, dass Demokratie nicht durch Bürokratie entsteht, sondern aus innerer Kraft und Gestaltung.

In unserer Variante trägt nicht Wasser die Rose, sondern die Wünsche und Ziele der Kinder, zu Beginn des 4. Schuljahres auf blauem Papier geschrieben. So wird deutlich: Aufblühen geschieht dort, wo Hoffnung und Vision wirken dürfen. Ohne eine Vision verdorrt die Rose - und mit ihr die Schule.

Doch gerade in der staatlichen Schule zeigt sich die Härte des Messzylinders. Alles ist vermessen, kontrolliert, standardisiert. Lehrkräfte arbeiten unter starren Lehrplänen, engen Zeitvorgaben, immer neuen Anforderungen. Klassen sind überfüllt, pädagogische Freiräume knapp. Die Belastungen übersteigen das Meßbare.

Das Landesschulamt agiert als Verwaltungsapparat, der Abläufe organisiert, aber kaum Räume für pädagogische Gestaltung lässt. Ausschließlich der individuelle Wille der Eltern ist das Maß der Dinge.

In freien Schulen sind Freiräume häufiger möglich. Mein Anliegen ist es jedoch, genau im staatlichen System zu wirken. Denn wenn Kinder hier, im engsten Korsett, aufblühen können – dann wird sichtbar, dass Vision und Kreativität auch in diesem System ihren Platz finden müssen. Die staatliche Schule soll zum Wohl der heranwachsenden, lernenden und fühlenden Kinder beitragen.

Ich weiß aus meiner Erfahrung als Neulandgewinner, dass Neues immer im Widerstand gegen starre Strukturen entsteht. So wie Beuys mit seiner Rose politische Kultur herausforderte, will ich innerhalb der staatlichen Schule Räume öffnen, in denen Kinder wachsen können.

Die Rose im Messzylinder ist deshalb ein Protestbild und ein Hoffnungszeichen zugleich. Sie zeigt: Auch im engen System der staatlichen Schule können Kinder aufblühen – wenn ihre Wünsche und Ziele nicht erstickt, sondern ernst genommen werden. Und sie erinnert mich daran, warum ich bleibe: weil ich glaube, dass gerade hier, im staatlichen Raum, Veränderung und Gestaltung am dringendsten gebraucht werden.










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