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Die Rose im Messzylinder

Die Rose im Messzylinder – ein Bild, das ich mit meiner Klasse im 3. Schuljahr entwickelt habe – ist für mich mehr als nur ein Symbol. Sie knüpft an Joseph Beuys’ „Rose für die direkte Demokratie“ an und ist zugleich Kommentar, Kritik und Ermutigung. Auch Beuys stellte eine Rose in einen Messzylinder: ein Gefäß, das für Maß, Ordnung und Kontrolle steht. Er machte sichtbar, dass Demokratie nicht durch Bürokratie entsteht, sondern aus innerer Kraft und Gestaltung. In unserer Variante trägt nicht Wasser die Rose, sondern die Wünsche und Ziele der Kinder, zu Beginn des 4. Schuljahres auf blauem Papier geschrieben. So wird deutlich: Aufblühen geschieht dort, wo Hoffnung und Vision wirken dürfen. Ohne eine Vision verdorrt die Rose - und mit ihr die Schule. Doch gerade in der staatlichen Schule zeigt sich die Härte des Messzylinders. Alles ist vermessen, kontrolliert, standardisiert. Lehrkräfte arbeiten unter starren Lehrplänen, engen Zeitvorgaben, immer neuen Anforderungen. Klassen sind über...

Warum ich vom Rechtsanwalt zum Grundschullehrer wurde – und was das mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat

2014 wurde ich als Neuland-Gewinner der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet. Ich hatte Projekte entwickelt, die sich mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Problemen beschäftigten – vor allem mit dem Geldsystem, Fragen demokratischer Teilhabe und der Rolle zivilgesellschaftlicher Bewegung. Ich wollte Veränderung anstoßen – nicht theoretisch, sondern praktisch, konkret, erfahrbar. Zugleich arbeitete ich über 25 Jahre als Rechtsanwalt. Ich kannte die Spielregeln des Systems, konnte sie analysieren und anwenden. Ich wusste, wie Sprache Realität schafft, wie Recht schützt – aber auch, wie es an Grenzen stößt, wenn Haltung fehlt. Doch irgendwann stellte ich mir eine einfache, unbequeme Frage:  Wo beginnt eigentlich Veränderung wirklich?

Geburtstag mit Beuys – Zwischen Familie, Freiheit und Verantwortung

Es war mein Geburtstag. Kein Tag für Torte, sondern für etwas, was mehr nach innen geht:  ein Besuch in der Joseph-Beuys-Ausstellung in Magdeburg. Ich war dort mit meiner Frau und einigen meiner Kinder – Menschen, die nicht nur mein Leben teilen, sondern auch meine Haltung. Wir alle kennen Beuys, seine Gedanken, seine Projekte. Für uns ist er kein ferner Künstler, sondern ein lebendiger Teil unserer Gespräche, unserer Geschichte, unserer gemeinsamen Suche nach einer anderen Gesellschaft. In der Ausstellung blieb ich wie angewurzelt stehen, als ich die Gründungsurkunde des Omnibus für direkte Demokratie sah. Ich hatte sie fast vergessen – und doch war sie sofort wieder da, die Zeit, in der ich selbst mit diesem weißen Bus unterwegs war. Ich erinnere mich an den Omnibus auf dem Marktplatz in Genthin, wo ich aufgewachsen bin. An Gespräche mit alten Schulfreunden, mit skeptischen Bürgern, mit neugierigen Jugendlichen. Ich erinnere mich an eine Station auf dem Parkplatz in Güsen, wo die...