Was einmal grün war, wird erst gelb und dann braun. Dieser Satz beschreibt längst nicht nur den Herbst, sondern unser politisches Klima. Erst war da Hoffnung. Dann kam Müdigkeit. Und jetzt wächst Wut im Schatten. Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen – nicht, weil sie von Natur aus rechts wären, sondern weil sie sich nicht gesehen, nicht gehört und nicht ernst genommen fühlen. Demokratie bricht selten durch einen Putsch zusammen. Sie zerfällt schleichend. Erst bleichen Überzeugungen aus, dann werden Entscheidungen beliebig, und am Ende greift Zynismus um sich. In das Vakuum der Bedeutungslosigkeit drängen die Lauten, Vereinfacher und Brandstifter. Braun entsteht nicht aus Überzeugung, sondern aus Leere. Wenn Politik nur noch mit Macht verwaltet, statt gestaltet, wenn Parlamente sich wie Bühnen im Karneval anfühlen und nicht wie Werkstätten, wenn Bürger zu Statisten auf Zuschauerplätzen werden, darf man sich über die Konsequenzen nicht wundern. Wer der Gesellschaf...