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Posts mit dem Label "Rechtsanwalt" werden angezeigt.

Abschied nehmen – und wieder von vorn beginnen

Gestern habe ich meine erste Grundschulklasse verabschiedet. Vier Jahre lang haben wir gemeinsam gelernt, gerechnet, geschrieben, gebaut, gelacht, diskutiert und manchmal auch miteinander gerungen. Aus kleinen Schulanfängern sind selbstständige Kinder geworden, die nun ihren Weg an den weiterführenden Schulen fortsetzen. Die Abschlussfeier war ein besonderer Moment. Es wurde gelacht, erinnert und gefeiert. Tränen flossen keine. Vielleicht, weil wir alle gespürt haben, dass ein Abschied nicht nur ein Ende, sondern immer auch ein Anfang ist. Als ich am Abend nach Hause fuhr, wurde mir bewusst, wie sehr sich mein eigenes Berufsleben verändert hat. Fast dreißig Jahre war ich als Rechtsanwalt tätig. Ich habe Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleitet, Interessen vertreten und Konflikte gelöst. Es war ein verantwortungsvoller Beruf, den ich nie gering schätzen werde. Doch eines habe ich dort nie erlebt: den Augenblick, in dem man einen Menschen über Jahre wachsen sieht und ihn schl...

Abgedeckt – Ein Zeichen in schwarzer Folie

  Dort,  wo fünfundzwanzig Jahre lang mein Kanzleischild hing – gut sichtbar für Mandantinnen und Mandanten, für Nachbarn, für Passanten – hängt jetzt eine schwarze Folie. Mit einfachen Kordeln befestigt, spannt sie sich über den Rahmen wie ein Vorhang. Kein Name mehr. Keine Berufsbezeichnung. Kein Hinweis auf das, was hier einmal war. Diese Abdeckung ist kein Zufall. Sie ist bewusst gewählt. Sie ist nicht das Ergebnis eines Umzugs, keiner Renovierung und auch keiner Übergangsphase. Sie ist Ausdruck eines Entschlusses: Ich beende meine Tätigkeit als Rechtsanwalt. Doch dieser Schritt geschieht nicht im luftleeren Raum. Er ist Teil eines größeren Zusammenhangs – einer gesellschaftlichen Entwicklung, die mich beunruhigt, ja sogar erschüttert. Seit Jahren beobachte ich eine Erosion des Vertrauens in den Rechtsstaat. Die Vermischung von politischen Interessen, ökonomischen Zwängen und juristischen Instrumenten hat Formen angenommen, die ich mit meinem Gewissen nicht mehr mittragen ...

Warum ich vom Rechtsanwalt zum Grundschullehrer wurde – und was das mit gesellschaftlichem Wandel zu tun hat

2014 wurde ich als Neuland-Gewinner der Robert Bosch Stiftung ausgezeichnet. Ich hatte Projekte entwickelt, die sich mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Problemen beschäftigten – vor allem mit dem Geldsystem, Fragen demokratischer Teilhabe und der Rolle zivilgesellschaftlicher Bewegung. Ich wollte Veränderung anstoßen – nicht theoretisch, sondern praktisch, konkret, erfahrbar. Zugleich arbeitete ich über 25 Jahre als Rechtsanwalt. Ich kannte die Spielregeln des Systems, konnte sie analysieren und anwenden. Ich wusste, wie Sprache Realität schafft, wie Recht schützt – aber auch, wie es an Grenzen stößt, wenn Haltung fehlt. Doch irgendwann stellte ich mir eine einfache, unbequeme Frage:  Wo beginnt eigentlich Veränderung wirklich?

Abschied von der Robe - Ein neues Kapitel beginnt

Nach mehr als 25 Jahren als Rechtsanwalt ist nun der Moment gekommen, die Robe an den Nagel zu hängen.  Zum 1. März 2025 endet meine Zeit als Anwalt - eine Entscheidung, die nicht leichtgefallen ist, aber die sich dennoch richtig anfühlt. Beginnend im Mieterverein Genthin durfte ich Menschen drei Jahrzehnte lang in rechtlichen Fragen begleiten, für ihre Interessen kämpfen und manchmal auch schwierige Wahrheiten aussprechen.  Der Anwaltsberuf war für mich nie nur ein Job, sondern eine Berufung - mit all seinen Herausforderungen, Erfolgen und auch Niederlagen.  Ich habe unzählige Verhandlungen geführt, Paragraphen gewälzt, Mandanten beraten und mich dabei stets gefragt: Was ist gerecht? Was ist richtig? Doch das Leben ist  Veränderung. Seit zwei Jahren bin ich als Lehrer tätig, und diese neue Aufgabe gibt mir auf eine andere Weise Erfüllung. Während ich früher Argumente vor Gericht verteidigte, vermittle ich heute Wissen und Werte an junge Menschen.  Beides verlan...