Direkt zum Hauptbereich

Posts

Posts mit dem Label "Rechtsstaat" werden angezeigt.

Freies Denken, freies Sprechen, freies Schreiben

Der Reformationstag erinnert uns daran, dass Erneuerung nicht von Instutionen ausgeht, sondern vom Gewissen und Handeln des Einzelnen. Als Luther seine Thesen an die Kirchentür schlug, tat er es nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Er folgte dem, was stärker war als Furcht: dem eigenen Denken. Dieser Geist der Selbstprüfung, des Mutes und der inneren Freiheit ist zeitlos – und er fehlt uns heute mehr denn je. Freiheit ist kein Geschenk. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – für sich, füreinander, für das, was sie denken, sagen und schreiben. So beginnt jede demokratische Republik: nicht im Parlament, sondern in den Köpfen und Herzen der Bürger. Freiheit ist kein Zustand, sie ist eine tägliche Übung – und Bildung ist ihr Werkzeug. Freies Denken Drei Jahrzehnte lang habe ich als Rechtsanwalt gearbeitet. Ich glaubte an das Recht, an Ordnung, an die Idee, dass Paragraphen die Welt gerechter machen können. Doch mit den Jahren erkannte ich: Recht schafft keine Gere...

Abgedeckt – Ein Zeichen in schwarzer Folie

  Dort,  wo fünfundzwanzig Jahre lang mein Kanzleischild hing – gut sichtbar für Mandantinnen und Mandanten, für Nachbarn, für Passanten – hängt jetzt eine schwarze Folie. Mit einfachen Kordeln befestigt, spannt sie sich über den Rahmen wie ein Vorhang. Kein Name mehr. Keine Berufsbezeichnung. Kein Hinweis auf das, was hier einmal war. Diese Abdeckung ist kein Zufall. Sie ist bewusst gewählt. Sie ist nicht das Ergebnis eines Umzugs, keiner Renovierung und auch keiner Übergangsphase. Sie ist Ausdruck eines Entschlusses: Ich beende meine Tätigkeit als Rechtsanwalt. Doch dieser Schritt geschieht nicht im luftleeren Raum. Er ist Teil eines größeren Zusammenhangs – einer gesellschaftlichen Entwicklung, die mich beunruhigt, ja sogar erschüttert. Seit Jahren beobachte ich eine Erosion des Vertrauens in den Rechtsstaat. Die Vermischung von politischen Interessen, ökonomischen Zwängen und juristischen Instrumenten hat Formen angenommen, die ich mit meinem Gewissen nicht mehr mittragen ...