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Sachsen-Anhalt erspart sich Millionen durch Seiteneinsteiger

Der Staat spart – die Lehrer zahlen

Sachsen-Anhalt feiert jedes Jahr neue Programme gegen den Lehrermangel.
Was kaum jemand ausspricht: Das Land hält sein Schulsystem am Leben, indem es Tausende Seiteneinsteiger beschäftigt – und sie systematisch schlechter bezahlt als ausgebildete Lehrkräfte.

Rund 2.400 Seiteneinsteiger unterrichten derzeit an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen-Anhalt. Sie tragen dieselbe Verantwortung, leiten dieselben Klassen, stehen denselben Herausforderungen gegenüber – und verdienen trotzdem im Schnitt 750 Euro netto weniger pro Monat als ihre Kolleginnen und Kollegen mit Lehramtsbefähigung.

Das ist keine Randnotiz. Das ist ein Systemfehler.

Zahlen, die entlarven

Rechnen wir nach:
2.400 Seiteneinsteiger × 750 € = 1,8 Millionen € monatlich,
also 21,6 Millionen € pro Jahr,
oder über 100 Millionen € in einer Legislaturperiode.

Hundert Millionen Euro spart das Land dadurch, dass Menschen, die täglich Kinder unterrichten, unter Wert bezahlt werden. Das ist keine Reformstrategie, das ist eine stille Form der Ausbeutung. 

Lebensleistung ohne Gegenwert

Ich selbst war zwei Jahre lang mit Entgeltgruppe E9 eingestuft – obwohl ich Volljurist bin, also die Befähigung zum Richteramt besitze.
Ich habe in dieser Zeit eigenständig Klassen geführt, pädagogische Verantwortung getragen, Unterricht entwickelt, Projekte initiiert und Kinder auf ihrem Lebensweg begleitet.
Und doch wurde mir für dieselbe Arbeit etwa 1.200 Euro brutto weniger gezahlt als einem Pädagogen als Lehrer.

In zwei Jahren ergibt das rund 18.000 Euro Nettoverlust – bei gleicher Arbeitszeit, gleichem Engagement und gleicher Verantwortung.

Das ist keine Personalpolitik. Das ist strukturelle Geringschätzung.

Die Zwei-Klassen-Lehrerschaft

Offiziell betont das Land, wie wichtig Seiteneinsteiger seien.
In der Realität schafft es ein System, das diese Menschen zwar braucht, aber zugleich minderwertig einstuft.
Wer keine pädagogische Lehramtslaufbahn durchlaufen hat, wird auf dem Papier zur Lehrkraft zweiter Klasse erklärt – selbst dann, wenn er ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Berufserfahrung und pädagogische Zusatzqualifikationen mitbringt.

So entsteht eine absurde Situation:
Die Schule kämpft um jedes Talent – aber das Gehaltssystem sorgt dafür, dass viele genau diese Talente wieder verliert.

Ein moralischer Offenbarungseid

Wenn Bildung der Schlüssel zur Zukunft ist, dann ist diese Praxis der Schlüssel zur Resignation.
Wer Menschen, die unterrichten, bewusst unter Wert bezahlt, missachtet nicht nur ihre Arbeit, sondern auch die Kinder.

Gleichbezahlung bei gleicher Leistung ist kein Luxus, sondern eine Frage der Würde.
Es ist an der Zeit, dass Sachsen-Anhalt den Seiteneinsteigern nicht länger symbolisch auf die Schulter klopft, während es ihnen Monat für Monat 750 Euro aus der Tasche zieht.

Schlusswort

Seiteneinsteiger sind keine Notlösung.
Sie sind längst das Rückgrat eines Systems, das ohne sie zusammenbrechen würde.
Wer sie weiter schlechter stellt, untergräbt die Grundlage des Schulbetriebs – und den moralischen Anspruch eines Staates, der Gerechtigkeit predigt, aber Ungleichheit praktiziert.
Hundert Millionen Euro Ungleichheit – das ist der wahre Preis des Lehrermangels.




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