Der Reformationstag erinnert uns daran, dass Erneuerung nicht von Instutionen ausgeht, sondern vom Gewissen und Handeln des Einzelnen. Als Luther seine Thesen an die Kirchentür schlug, tat er es nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Er folgte dem, was stärker war als Furcht: dem eigenen Denken. Dieser Geist der Selbstprüfung, des Mutes und der inneren Freiheit ist zeitlos – und er fehlt uns heute mehr denn je. Freiheit ist kein Geschenk. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – für sich, füreinander, für das, was sie denken, sagen und schreiben. So beginnt jede demokratische Republik: nicht im Parlament, sondern in den Köpfen und Herzen der Bürger. Freiheit ist kein Zustand, sie ist eine tägliche Übung – und Bildung ist ihr Werkzeug. Freies Denken Drei Jahrzehnte lang habe ich als Rechtsanwalt gearbeitet. Ich glaubte an das Recht, an Ordnung, an die Idee, dass Paragraphen die Welt gerechter machen können. Doch mit den Jahren erkannte ich: Recht schafft keine Gere...